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Dienstag, 7. Februar 2012

Verrücktes Hongkong

Wir sind am 04. Februar pünktlich in Hongkong gelandet und wurden am Flughafen abgeholt. Das war auch gut so, weil das Flughafenareal ziemlich unübersichtlich ist und wir fast einen Kilometer laufen mussten, bis wir alleine bei der Busstation waren. Wir hatten bei der Ankunft trockenes, diesiges Wetter und ca. 18 Grad. Nach den -15 zu Hause, fast schon sommerlich.

Die Fahrt zu unserem Hotel, dem Royal Plaza, dauerte ca. 45 Minuten, da das Verkehrsaufkommen enorm ist.

 
Die Stadt ist so dicht bebaut und der Baugrund derart teuer, dass man in der Vergangenheit für die Straßen nicht mehr Platz, als unbedingt nötig, reserviert hat. Das bringt den Verkehr in den Stoßzeiten nahezu zum Stillstand. Viele große Hotels und andere riesige Bauten wurden auch einfach über die Straßen gebaut, so dass man ständig unter irgendwelchen Gebäuden durchfährt.



Manche Straßen führen auch im 2. Stock durch ein Gebäude durch. Ein Navi nützt hier gar nichts, weil das bräuchte hier mindestens eine 3-dimensionale Darstellung bei dem ganzen Drunter und Drüber.









Zu den Tunnelröhren, die Hongkong Island mit dem „Festland“ bzw. unserem Stadtteil Kowloon verbinden, führen 7 Fahrstreifen, der Tunnel hat dann 2 Spuren. Irgendwie geht’s aber dann auch durch. Am Spätnachmittag haben wir eine kleine Runde ums Hotel gedreht. Dabei kamen wir durch die Straße der Zierfischhändler, die ihre Fische in Plastiktüten verpackt auf der Straße hängen haben. Die Viecher können einem Leid tun, da sie teilweise so groß sind, dass sie sich in der Tüte nicht mehr rühren können.






Außerdem haben wir uns noch durch den Ladys Markt (weil Frauen angeblich so gerne Klamotten kaufen), den Sport Markt (mit Imitaten sämtlicher namhaften Sportmarken) und dem Elektronikmarkt (mit riesigen Schlangen vor den Handyläden mit dem neuen iPhone4) gekämpft.










Wir sind dann aber doch relativ früh ins Bett, weil wir eindeutig noch Nachholbedarf hatten. Hier im Hotelzimmer ist uns dann aufgefallen, dass wir echte Grohe Armaturen „Made in Hongkong“ und ein Rowenta-Bügeleisen im Zimmer haben. Zu den ganzen Elektronikartikeln muss man sagen, dass „Made in Hongkong“ absolut kein Schnäppchen mehr ist. Die ganzen wirklich echten Marken PC’s, Laptops und Kameras sind mittlerweile um einiges teurer als bei uns.
Am nächsten Morgen wurden wir gleich um 09.00 Uhr zur Stadtrundfahrt abgeholt. Wir sind zunächst auf den Victoria Peak gefahren, von wo aus man einen schönen Blick über den noblen Teil der Stadt hat. 



Die Preise für Eigentumswohnungen und die Mietpreise sind dort abartig und für normale Arbeiter unbezahlbar. Da sind mal locker 30.000 Euro für einen Quadratmeter fällig (gekauft) oder 3500 Euro für 70 m² im Monat (Miete).

Der Normalbürger wohnt hier üblicherweise auf 50m² mit bis zu 10 Personen (meistens von der Oma bis zum Kleinkind und einem verarmten Cousin den man auch noch durchfüttert) und zahlt dafür, auch in den schlechteren Vierteln, über 1000 Euro Miete. Das ist bei einem Durchschnittseinkommen von 1200 Euro nicht gerade wenig. Da der Wohnraum knapp ist wird in Häuser, die nur wenige Stockwerke haben (das sind alle unter 10) kein Cent mehr investiert, weil man sie am liebsten gleich platt machen und  durch ein mindestens 50-geschossiges Gebäude ersetzen möchte. 
Egal wie hoch ein Haus hier gebaut wird- und das sind schon mal 484-Meter, wird nur mit Bambus eingerüstet. Das sieht schon abartig aus, wenn die in der Höhe auf den Bambusstäben rumturnen.

 
Ein Auto braucht man hier aus 2 Gründen nicht kaufen. Erstens ist man mit öffentlichen Verkehrsmitteln am schnellstens unterwegs. Außerdem gibt es keine Parkplätze, so dass man für einen Tiefgaragenplatz schon mal um die 500 Euro im Monat bezahlt. Wer sich das leisten kann, hat dann auch das richtige Kennzeichen am Auto. Die 8 ist hier die Glückszahl, die 4 absolut verpönt, weshalb es auch nirgends einen 4. Stock gibt. Wer nun also ein Kennzeichen mit möglichst vielen 8er am Auto will, kann sich eines ersteigern. Die Top-Kennzeichen bringen ca. 1,5 Millionen Euro ein. Das einzig Gute daran ist, dass der Versteigerungserlös ausschließlich für soziale Zwecke verwendet wird.

Die sind übrigens nicht nur mit der Zahl 4 abergläubisch. In den wenigen (buddhistischen) Tempeln der Stadt werden ständig tausende von Räucherkerzen und –stäbchen angezündet, so dass wir diese Stätten nach einem kurzen Aufenthalt mit Tränenfluss und Schnappatmung verlassen mussten.





Und auch trotz der horrenden Baulandpreise lassen sie in den Hochhäusern große Löcher, damit der Drache vom Berg zum Wasser fliegen kann, wenn der Feng-Shui Meister, der bei jedem Haubau konsultiert wird, der Meinung ist dass das Haus dem Drachen im Weg steht.

In der Stadt direkt leben rund 7 Millionen Einwohner, drum rum noch mal so 15 Millionen. Wir vermuten, dass sie wegen des knappen Wohnraums in Schichten schlafen, weil mit uns zusammen immer mindestens 1 Million Leute auf dem gleichen Gehweg wie wir unterwegs waren.



Man kämpft sich ständig durch Menschenmassen, wenn man stehen bleibt, wird man zum Hindernis.











Trotz der vielen Leute sind die Straßen absolut sauber. An jeder Kreuzung stehen Mülleimer und wirklich jeder läuft dahin und wirft seinen Müll da rein. Selbst die Raucher werfen ihre Kippen immer da rein. Da liegt nicht ein Zigarettenstummel auf der Straße.






Da diese Massen auch bewegt werden müssen, sind tausende von Bussen den ganzen Tag unterwegs.










Aus den tausenden Läden und Garküchen kommen ständig Gerüche, die für unsere
(Lang-)Nasen schon komisch und meistens auch nicht sonderlich appetitanregend sind. Die essen hier wirklich alles, was 4 Beine hat, außer Tischen und Stühlen.













Im Rahmen unserer Stadtrundfahrt sind wir mit einer Dschunke durch den Hafen geschippert. Weil die Mieten so unbezahlbar sind, wohnen viele Familien zwischenzeitlich auf ihren Schiffen. Die Männer fahren nachts zum Fischen, während die Kinder schlafen. Morgens werden die Kinder abgesetzt und gehen zur Schule, während der Mann schläft und die Frau mit der Dschunke Rundfahrten für Touristen durchführt.


Natürlich darf auch ein riesiger schwimmender Touripalast nicht fehlen.
Auf dem Rückweg von der Stadtrundfahrt hatten wir vor dem Tunnel einen kleinen Blechschaden, als unser Bus von einem PKW-Fahrer so geschnitten wurde, dass der an der vorderen Stoßstange hängen blieb. Da sich der PKW-Fahrer völlig unschuldig zeigte (unser Busfahrer konnte wirklich nichts dafür), entschied man sich nach längerer Diskussion, die Polizei zu holen. Da das alles ziemlich lange dauerte, wurde für uns 4 Teilnehmer der Stadtrundfahrt ein Ersatzbus geordert, der uns zurück brachte.


Nachmittags waren wir wieder zu Fuß unterwegs und haben den Blumen- und Vogelmarkt angeschaut.
Über mehrere Straßen gibt es nur Blumengeschäfte, die vor allem Orchideen, alle Sorten von Schnittblumen und Bonsais anbieten. Obwohl das hier in Massen vorhanden ist, sind die Preise durchaus auf unserem Niveau.


Die Vögel werden genauso misshandelt wie die Fische, das heißt, sie haben auch kaum Platz in ihren Käfigen. Ich habe allerdings aufgrund der eindeutigen Chinesen-Überzahl von einer spontanen Befreiungsaktion abgesehen.












Im Vogelmarkt werden auch Schildkröten in allen Größen verhökert, allerdings gibts die auch in den Fischgeschäften zum gleich essen.










Nachdem es bis mittags teilweise richtig sonnig war, trübte es am Nachmittag wieder ein. Das ist aber für die Jahreszeit wohl normal und zum Großteil auch durch den Smog bedingt.

Am Abend haben wir, wie schon am Abend davor, im Spaghetti-Haus gegessen. Das ist eine Kette mit Pizza- und Pasta Gerichten, in der es absolut „westlich“ riecht und das Essen auch sehr gut schmeckt (außerdem gibt es hier statt dem üblichen grünen Tee auch Traubensaft).

 Am Montag sind wir kreuz und quer durch die Straßen in Richtung Fährhafen gelaufen. Als wir dort waren, fing es an zu nieseln. Die Wolkenkratzer auf dem gegenüberliegenden Hongkong-Island verschwanden teilweise im Dunst und die Spitzen in den Wolken.






Im Hafenbereich, wo auch großen Kreuzfahrtschiffe anlegen und die meisten Touristenhotels sind, wird man ständig von irgendwelchen Schleppern angequatscht, die einem gefälschte Uhren, Taschen und anderen Kram verkaufen wollen. Auch sind dort alle großen Nobelgeschäfte von Prada bis Swarowski. Es ist eine völlig andere Welt als in der Umgebung unseres Hotels.


Am Hafen gibt es auch einen "Walk of Fame", auf dem sich viele Stars, wie in Hollywood, verewigt haben. Allerdings konnten wir mit keinem der Namen etwas anfangen, das müssen wohl alles lokale Showgrößen sein. Wir haben deshalb die Skulpturen, die ebenfalls rumstanden, fotografiert.

Weil uns die Schlepper nervten, haben wir uns bald wieder vom Acker gemacht und sind die 4 Kilometer lange Hauptstraße zurückgegangen. Kaum waren wir aus dem ungeliebten Anmach-Trubel raus, regnete es auch nicht mehr.
                                                                                                     
Abends waren wir dann wieder in unserem Spaghetti-Haus und haben gut gegessen.

Heute Morgen war es dann richtig sonnig. Wir mussten zunächst auschecken und sind dann noch eine Weile in en Geschäftsstraßen um das Hotel gelaufen. Hier einfach noch ein paar Bilder von der verrückten Stadt.







Man sieht darauf einfach, dass der Kontrast zwischen arm und reich hier extrem ausgeprägt ist. 90 % hausen in besseren Wohnklos, der Rest fährt Ferrari, Porsche, Benz und alle anderen Nobelmarken und lässt es sich gut gehen.

Gegen Nachmittag zog es, wie jeden Tag, wieder zu und es wurde auch merklich kühler. Für die nächste Nacht, in der wir ja nicht mehr da sein werden, sind 7 Grad angesagt.

Um kurz nach 16.00 Uhr wurden wir im Hotel abgeholt und sitzen jetzt auf dem Flughafen. Wir haben noch 1,15 Stunden bis zum Abflug nach Auckland.

PS: Den Blogbeitrag veröffentlichen wir erst jetzt, da sie im Hotel horrende Preise für das Internet verlangt haben.